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Chios und seine Traditionen

Die Veranstaltung Chios vom 25. Oktober 2008 stand ganz unter dem Zeichen des berühmtesten Produkts der Insel, dem Mastix. Die Vereinigung der Mastixproduzenten hat in einem ersten Teil die Mastixanwendungen vorgestellt. Ihre Vertreterin orientierte anhand eines Films über den Mastixbaum, die Gewinnung des Harzes, dessen Reinigungsprozess sowie über die verschiedenen Anwendungen (als Gewürz, in der Kosmetik, in der pharmazeutischen Branche). Anhand vor verschiedenen Folien verdeutlichte Niki diese Themen. Sie erklärte, wie sich die Mastixproduzenten organisieren, um in der Wirtschaftswelt bestehen zu können. Die Hauptmärkte liegen wie schon im osmanischen Reich im Nahen Osten. Die Hauptprobleme, mit welchen die Vereinigung der Mastixproduzenten (EMX) zu kämpfen hat, sind Warenfälschungen, der schwarze Markt, die Verletzung der Herstellungsvorschriften, Markenschutz. Dank dem Organisierungsgrad der Mastixproduzenten (die Gesellschaft umfasst 4500 Mitglieder) kann die Qualität des Produktes gewährleistet werden.

Im zweiten Teil berichtete die Architektin Maria Xida über den Einfluss der Natur auf das Schicksal der Insel. Die Landwirtschaft (Weinanbau, Mastixgewinnung, Seidenherstellung) und der damit einhergehende Reichtum der Insel zog stets das Interesse fremder Mächte (zuerst der Genuesen, dann der Osmanen) auf die Insel. Architektonisch war vor allem die Zeit der Genuesen prägend: Die Insel ist durchzogen von Burgen, Wehrtürmen, Wachtürmen. Die Dörfer sind befestigt und befinden sich an Orten, welche vom Meer her (für die Piraten) kaum einsehbar sind. Die Seidenraupenzucht erforderte spezielle bauliche Anlagen. Diese Landgüter wurden später zu Sommerresidenzen für den lokalen Adel. Die seit der Antike bestehende Seefahrertradition der Insel diente in der Neuzeit dem Verfrachten von Mastix, Zitrusfrüchten, Seide und Seidenstoffen, Stickereien etc. Der enge Handelskontakt mit dem ganzen östlichen Mittelmeer führte dazu, dass auch vieles importiert wurde: So lässt sich an den Gärten der chiotischen Villen ablesen, mit welchem Land der Eigentümer Kontakte unterhalten hat: Wer Palmen pflanzte, hatte sich in Ägypten befunden, wer Araukarien setzte, hatte Kontakt zu Rumänien, wer Schwarzmeerpinien im Garten hatte, hatte mit dem Schwarzen Meer Handel getrieben. Frau Xida zeigte uns mit diesen interessanten Ausführungen, die sie mit prächtigen von ihr aufgenommenen Diapositiven untermalte, wie sehr sie ihre Heimatinsel kennt und studiert. Sie erklärte uns die Zusammenhänge zwischen der Natur, der Agrarwirtschaft und der geschichtlichen Entwicklung der Insel. An die lebhafte Fragerunde schloss sich der traditionelle Aperitif an.

 

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