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Das neue Akropolis Museum (NMA)
Vortrag von Michalis Photiadis
Neue Technologien
Das NMA wurde für ein spezielles Ausstellungsgut geplant. Diese Kriterien bestimmten das Baugprogramm, bevor der Platz für die Errichtung des Gebäudes gewählt wurde. Auf dem Grundstück Makrygianni begegneten wir neuen archäologischen Ausgrabungen neben der Präsenz der modernen Stadt und natürlich neben dem Einfluss des Parthenon selber. Diese Elemente in Verbindung mit einem heissen Klima und einer erdbebengefährdeten Gegend haben uns zur konkreten Planung des NMA geführt.
Die Museumsabteilung stützt sich auf «Pilotis» über dem neuen Ausgrabungsfeld mit einer Stützkonstruktion, welche sowohl von statischen als auch archäologischen Gegebenheiten bestimmt wird und nur 1,7 % des Ausgrabungsfeldes beansprucht.
Eine gläserne Rampe von zwölf Metern führt über die Ausgrabungsstätte zwischen zwei Bauelementen hindurch von je fünf mal fünfzig Metern, in welchen sich sechs Aufzüge, acht Treppen, Durchgänge und öffentliche Toiletten befinden. Die Rampe führt weiter zu den Ausstellungsräumen auf zwei Ebenen. Die zweite Ebene beherbergt im Aufgang den Saal mit den Werken der archaischen Zeit und im Abgang die Werke in der Zeit nach dem Parthenon-Bau, vom Erechtheion bis zu römischen Werken. Krönung ist der Parthenon-Saal, welcher die Achse bricht und das Marmorfries in der ursprünglichen Anordnung zeigt. Die transparente Ausgestaltung des Saales mit Verwendung einer High-tech-Fensterfront schützt den Raum vor Überhitzung und vor zu hellem Licht. Hauptziel ist die Wiedervereinigung aller Teile des Frieses, sowohl derjenigen welche sich in London befinden (50%, Elgin-Fries) und derjenigen von Athen (45% im Louvre befindet sich noch der Stein «tou peplou»).
Der Gang durchs Museum bildet einen historischen Spaziergang, welcher mit den Ausgrabungen beginnt (zu besichtigen durch den gläsernen Fussboden) bis zum Parthenon-Fries. Es werden täglich 10'000 Besucher erwartet.
Das verwendete Material ist schlicht: Glas, Beton, Marmor. Der Beton (sowohl der Fertigbeton als auch der gegossene) bildet die Grundstruktur des Gebäudes und gibt den Hintergrund für die meisten Ausstellungsgegenstände ab. Der Marmor wird für die Böden verwendet: Schwarzer (aus Mazedonien) für die Verbindungswege, hell-ocker (von Elikonos, Peloponnes) für die Ausstellungsräume. Diese Auswahl nimmt Rücksicht auf den Alterungsprozess eines Gebäudes, das einem grossen Besucheransturm standzuhalten hat.
Die Fundamentierung des Gebäudes
Die Fundamentierung des Gebäudes betrifft zwei Teile des Baus. Die eine bildet das Untergeschoss mit konventioneller Fundamentierung. Dies auf dem Areal, welches das KAS hiefür bewilligt hat. Pfähle/Pfeiler wurden dort eingesetzt, wo es die Archäologen bezeichnet haben, allerdings in Zusammenarbeit mit den Architekten, um sowohl statische als auch architektonische Vorgaben zu beachten.
Eine grundlegende Vorarbeit war der Schutz für die Altertümer: Sie wurden mit Erde und Bruchmaterial zugedeckt, damit eine horizontale Oberfläche entsteht für den Einsatz der Baumaschinen. Die Ausgrabung enthält Schichten der athenischen Nachbarsiedlungen aus hellenistischer, römischer und frühbyzantinischer Zeit. Der Weg der Besucher führt an Wänden vorbei, in welche grosse Steine aus klassischer Zeit bis zu solchen aus dem siebten Jahrhundert nach Christus eingelassen sind.
Mit der Vollendung des Museums werden die verschiedenen Epochen diskret ausgeleuchtet werden. An einigen Orten bestehen Aussparungen zur Direktbesichtigung der Ausgrabungen. Die Pfeilerschächte erreichen bis zweiundzwanzig Meter Tiefe, gemessen vom Ort der Platzierung der Stabilisatoren.
Isolation vor Erdbeben
Das Ende der Pfeiler ist mit einem System von Balken verbunden, welche das Niveau bezeichnen, wo der Oberbau mittels Stabilisatoren aufliegt. Jeder Stabilisator ist eine spezielle metallene Konstruktion von 1,6 Meter Höhe, angebracht am Ende jeden einzelnen Pfeilers, weil die statischen Neigungen und der Druck je verschieden sind. Vertrauenswürdige Fabriken zur Herstellung und Kontrolle gibt es nur in USA und Japan. Eine spezialisierte deutsche Fabrik übernahm die Herstellung der Stabilisatoren. Diese wurden anschliessend in die USA zur Kontrolle geschickt. Von dort kamen sie dann wieder via Deutschland nach Griechenland und wurden von einer Gruppe von Technikern installiert.
Die Stabilisatoren funktionieren nach dem Typ «umgekehrter Pendel» und sind im Wesentlichen zwei hohle Platten, die eine in die andere gelegt: Zwei extrem glatte Oberflächen, welche so wenig wie möglich Reibung aufweisen, so dass im Falle einer seismischen Bewegung die grösstmögliche voraussehbare Horizontalbewegung über diese Platten läuft. Die eine Platte bewegt sich in der andern und wegen der gehöhlten Form, hat das System nur einen Gleichgewichtspunkt, zu welchem es zurückkehrt, sobald die Erschütterung abklingt. So wird ein grosser Teil der Energie, welche das Erdbeben auslöst, vernichtet.
Die Ausstattung des Flachdaches des Parthenon-Saales
Die äusserste Hülle des Flachdaches besteht aus gläsernen Oberflächen mit eingelassenem schwarzem Seidensiebdruck, was von der Akropolis her klar erkennbar ist. Die Oberfläche des Flachdaches ist die fünfte Ansicht des Museums. Die gläsernen Oberflächen stützen sich auf Metallkonstruktionen. Diese erlauben den Abfluss des Regenwassers.
Der Sichtbeton
Die Verwendung von Sichtbeton, wie in den Plänen vorgesehen, war ein Erfolg. Ziel war, dass das Endmaterial keinerlei Unebenheiten, keine Farbschattierungen aufweise. Es handelt sich hier um eine ganz aussergewöhnliche Technologie. Die Anforderung war, dass der Beton so bleibe, wie er aus den speziell geformten Schalungen herauskommt. Anschliessend brauchte es nur noch eine Behandlung zur Wasserabstossung (Imprägnierung). Dasselbe Verfahren wurde auch bei den vorfabrizierten Panneaux angewendet.
Das Glas im NMA
Glas ist das wesentliche Charakteristikum in der architektonischen Idee des NMA. Die Verwendung von Glas beschränkt sich nicht auf die gewohnte Rolle. Das Glas wird eigenständig verwendet, ohne Rahmen, ohne Spiegelungseffekt. Im Museum wurde speziell reines Glas mit niedrigem Eisengehalt verwendet, damit möglichst wenig Grüntönung in die Ausstellungsräume einfliesst.
Der Parthenon-Saal
Die Wand des Parthenon-Saals besteht ausschliesslich aus Glas und zwar aus Doppelwänden von 70 cm Abstand. Die innere Wand hängt 2,25 Meter über dem Boden. Die äussere Wand besitzt Tupfen von Seidendrucken, um die Schattierungen zu verstärken und um die Blendwirkung zu vermindern. Eine Beschichtung mit hoher Leistung zum Schutz vor infraroter Strahlung verwandelt diese in Wärme. Das System beinhaltet spezielle Stoffstoren, welche mit Sensoren die exponiertesten Bauteile, nämlich den südlichen, den östlichen und den westlichen schützen. Die nördliche Ansicht mit Blick auf die Akropolis ist die Klarste.
Die Doppelwand funktioniert wie ein «Glaskamin» und ist Teil der Klimaanlage des Museums. Die Basis für die Glaswand ist eine rund um den Raum laufende Bank, welche für die Klimatisierung die Leitung bildet, welche kalte Luft auf den Boden leitet. Diese Luft erwärmt sich auf natürliche Art und Weise und gelangt in den freien Raum unter dem Scheindach und dann in die Klimatisierungsanlage. Mit diesem Luftstrom reguliert sich die Erwärmung. Wenn die Aussentemperatur 40° Celsius beträgt, beläuft sich die Innentemperatur auf 23° Celsius.
Die Fassaden des Saales der archaischen Werke
Die Fassaden dieses Saals zeigen eine Oberfläche aus doppeltem Glas und haben einen Schutzmechanismus gegen die Wärme der Sonneneinstrahlung. Sie geben das qualitativ bestmögliche natürliche Licht für die Präsentation des Ausstellungsguts ab. Das Glas des Scheindaches und die auf der Westseite vertikal angebrachten seidenen Sonnenschutzstoren regulieren die Belichtung.
Gläserne Fussböden
Im ganzen Museum wird viel Gebrauch von gläsernen Fussböden gemacht, welche den Blick auf die archäologischen Ausgrabungen unter dem Museum freigeben. Sie dienen ebenfalls als Abdeckung für die in den Fussboden eingelassenen Vitrinen. Die Oberfläche mit laminiertem Glas kombiniert Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze sowie Rutschfestigkeit.
Schallisolierung
Typisch für Museen mit harten Oberflächen und Glas ist die Echobildung, welche übermässig und für den Besucher ermüdend werden kann. Diese «Lärmverschmutzung» kann unbewusst Besucher abhalten. Die Echo-Studie von Theodoros Timagenis war ein absoluter Erfolg. Im speziell für Widerhall anfälligen Rampengang wurde schallschluckendes Material auf den Vertikal-Flächen eingesetzt. Dieses wurde mit Fertigbeton, welcher Löcher aufweist, bedeckt. So ist es möglich, dass ein Fremdenführer mit klarem Ton ohne Widerhall zu den Besuchern spricht.