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Der heilige Berg Athos

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung vom 23. Mai 2008 hielt Dimitris Moschos, Dozent für Kirchengeschichte an der theologischen Fakultät Athen, den Vortrag «der heilige Berg Athos» an Stelle des angekündigten Referenten Prof. Marzelos, welcher aus persönlichen Gründen unabkömmlich war. An Hand von hervorragenden Diapositiven (viele Luftaufnahmen der Klosteranlagen, der Natur, der Klosterschätze) führte uns Herr Moschos durch die abgeschirmte Mönchsrepublik Athos.

Schon im 7. Jahrhundert bestand eine Vorläuferbesiedelung. Während des in jener Zeit tobenden Bilderstreits kamen viele Asketen aus Kleinasien nach Athos. Aus jener Zeit stammen auch die Legenden von den Marienikonen, die sich aus Kleinasien absetzend im Gebiet von Athos niedergelassen haben. Dies erklärt die besondere Verehrung der Mutter Gottes auf Athos bis auf den heutigen Tag. Der Begründer des ersten grossen Klosters (Lavra) war Athanasius Athonit. Der byzantinische Kaiser Fokas finanzierte den Klosterkomplex. Es wurde eine eigentliche Klosterordnung erlassen und ausgedehnt Ackerbau betrieben. Diese Organisationsform löste bei den einheimischen Anachoreten (Einsiedler) Empörung aus. Sie empfanden die Neuentwicklung als Bedrohung ihrer althergebrachten Sitten. Auch wenn in der Folge eine Einigung gefunden werden konnte, so ist ein gewisses Grundmisstrauen der Anachoreten gegenüber den Klöstern bis auf den heutigen Tag bestehen geblieben. In den folgenden Jahrhunderten wurden weitere Klöster gegründet, z.B. auch von russischen und serbischen Mönchen. Nur mit Mühe vermochten die Mönche ihre Unabhängigkeit von den Bischöfen und dem Patriarchat zu bewahren. In der Anfangszeit unterstanden die Klöster direkt dem byzantinischen Kaiser. Mit dem Niedergang der weltlichen Macht von Byzanz gewann dann das Patriarchat von Konstantinopel die spirituelle Oberaufsicht. Nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen (1453) mussten sich die Klöster gegen plündernde Söldnertrupps militärisch schützen und bauten deshalb eigentliche Burgen/Verschanzungen. Die Osmanen sicherten zunächst Unabhängigkeit zu. Im 16. Jahrhundert erklärten sie die Klöster zu Vakifs, d.h. steuerbefreiten Stiftungen. Diese Garantien wurden allerdings nicht immer eingehalten: es kam auch zu Konfiszierung von Klostergut und die Mönche mussten es quasi zurückkaufen. Mit der Schwächung des osmanischen Reichs setzte in der Kunst des Klöster eine Rückbesinnung auf asketische Strömungen ein (statische Figuren, dunkelblauer oder schwarzer Hintergrund), wo hingegen zuvor die mazedonische Renaissance bewegte, individuelle Züge der Personen bevorzugt hatte.

In der Zeit des aufkommenden Nationalismus im 19. Jahrhundert wirkten sich vor allem die Spannungen zwischen Russland und den Osmanen negativ auf den Berg Athos aus. Es kam verschiedentlich zu Strafaktionen gegen die Klöster. Auch im 20. Jahrhundert kam es zu Turbulenzen wegen der verschiedenen Nationalitäten: viele russische Mönche waren eingewandert. Die russische Botschaft versuchte sich politisch einzumischen. Auch Rumänien wollte einen Klosterstaat gründen. 1912 erfolgte die Herauslösung von Athos aus dem osmanischen Reich. 1926 wurde die Verfassung von Athos vom griechischen Staat abgesegnet.

Die nachfolgenden Jahre des zweiten Weltkrieges und des griechischen Bürgerkrieges bedeuteten für die Klosterrepublik eine delikate Phase: die Nazis versuchten Kulturschätze abzutransportieren. Aufständische wollten die Klosterordnung stürzen. Mit der Errichtung des Eisernen Vorhangs wurden die Geldzuflüsse, Stiftungen aus dem Osten abgeschnitten. Erst im Laufe der 1970er Jahre setzte eine Wiederbelebung des Klosterlebens ein, auch dank EG-Mitteln. Die Entwicklung ist nicht abgeschlossen: die christliche Askese, Ethik soll auch im neuen Umfeld gelebt werden. Die Geschichte von Athos illustriert, dass die Arbeit an der eigenen Natur möglich ist im Glauben an einen geistigen Fortschritt trotz aller Hindernisse.

Diese kenntnisreichen interessanten Ausführungen wurden dem Referenten mit grossem Applaus verdankt.

 

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