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Die Griechen und ihre Musik

Am 22. Februar 2008 hat uns Werner van Gent in der Skulpturenhalle in die reiche Welt der griechischen Musik eingeführt. Der Referent, der schon verschiedentlich bei uns Vorträge historischen und politischen Inhalts gehalten hat, wollte dieses Mal einen wesentlichen kulturellen Aspekt Griechenlands näher beleuchten und zwar so wie er ihn bei seiner Korrespondententätigkeit im Land erlebt und nicht als Musikwissenschafter.

Werner van Gent führte uns eine geschickt zusammengestellte Auswahl von griechischen Liedern/Musikstücken vor und begleitete sie mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen. Der Referent betonte, dass die einschneidenden politischen Ereignisse in Griechenland (2. Weltkrieg mit deutscher Besatzung, Bürgerkrieg mit Nachwehen bis in die achtziger Jahre, 1. Schauplatz des kalten Krieges, Obristenregime) die Komponisten und die Textdichter gleichermassen geprägt haben. Griechische Lieder weisen dunkle, traurige Elemente auf (z.B. Vassilis Tsitsanis: Synefiasmeni Kyriaki komponiert 1944, eine Art Nationalhymne; Theodorakis: «Der Flüchtling»). Die griechische Natur auf der andern Seite kennt das helle Licht, die starken Konraste. Auch diese werden in den Liedern thematisiert (Manos Loizos: «Die Sonne betrunken machen» Andreas Andreopoulos: «Träuume»). Die vertonten Texte stammen von weltbekannten Dichtern wie Odysseas Elytis oder Jorgos Seferis (z.B. der von Theodorakis vertonte «Strand», to periali). Dank der Vertonung wird diese anspruchsvolle Dichtung, welche die gesellschaftlichen Geschehnisse reflektiert, ins Volk getragen. Die griechische Kunstmusik ist vergleichbar mit französischen Chansons und hat ihren Ursprung in der Volksmusik.

An Volksmusik führte der Referent interessante Beispiele von den Eftanisa vor, nämlich mehrstimmige melodiöse Chöre, und dann die Fünftonmusik aus Epirus gespielt mit Klarinos (Tassos Chalkias). Beliebte Themen in der Volksmusik sind das grosse Leid des kleinen Mannes, der kleinen Frau, wie sie vor allem auch im Rembetika besungen werden. Wenn der Tod auch eine grosse Rolle in all diesen Liedern spielt, so wird er zum Teil doch auch mit einer gewissen Direktheit und Respektlosigkeit thematisiert. Die Stimmen der Rembetikasänger sind im Übrigen nicht geschult, oft handelt es sich um Hafenarbeiter.

Die Komponisten/Textdichter sind im Allgemeinen Männer bis auf seltene Ausnahmen: Eftychia Papaianopoulou, eine Kartenspielerin, die in der Subkultur beheimatet war. Ihr Lied: «Ich bin ein Adler ohne Flügel» hatte sie in Geldnot Theodorakis angeboten, welcher allerdings ablehnte. Manos Chatzidakis nahm hingegen das Lied an und vertonte es. Er hat im Weiteren auch für I. Kambanelis (Kir. Michalis) komponiert. Er ist einer der vielschichtigsten griechischen Komponisten. Als Komponistin ist Eleni Karaindrou zu erwähnen, befreundet mit Maria Farandouri.

Typisch für die griechische Musik ist, dass sie «gesagt» wird (leme tragoudia) und eine Geschichte beinhaltet. Der nahe Orient macht seinen Einfluss geltend. Schon in der Antike befruchteten die Einflüsse des Ostens, die nach Westen wanderten, die griechische Kultur (in Religion, Kunst, Schrift etc.). Auch in der heutigen griechischen Musik sind die östlichen Elemente spürbar.

Im Anschluss an diese interessanten kenntnisreichen Ausführungen über die griechische Musik folgte der Aperitif, wo die zahlreich erschienenen Zuhörer (gegen 200) noch den persönlichen Kontakt pflegen konnten.

 

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