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Die geschichtliche Bedeutung Basels auf dem Weg des Griechischen nach Norden
Dr. phil. U. Dill, Leiter der Handschriftenabteilung der Universität Basel, erläuterte uns an unserer ersten Zusammenkunft im neuen Vereinsjahr in der Universitätsbibliothek die geschichtliche Bedeutung Basels auf dem Weg des Griechischen nach Norden. In der Basler Universitätsbibliothek befinden sich Handschriften, die direkt aus Griechenland importiert worden sind, griechische Handschriften, die aus der Umgebung stammen sowie griechische Grammatiken, Erläuterungen, die in Basel verfasst worden sind.
Zwei Rezeptionsphasen des Griechischen haben stattgefunden: Eine erste im Zusammenhang mit der Renaissance/Humanismus, welche auf den Fall Konstantinopels (1453) folgte; eine zweite stand im Zusammenhang mit dem Neuhumanismus des 19. Jahrhunderts.
In der ersten Phase flohen griechische Gelehrte nach Westen, insbesondere nach Italien und dozierten an den dortigen Universitäten. Studenten aus dem Norden kamen so in Kontakt mit dem Griechischen. Entscheidend für Basel war aber das Konzil: Die gesamte intellektuelle Elite der damaligen Zeit kam nach Basel und brachte ihr Gedankengut mit. Während des Konzils wurde beschlossen, einen kroatischen Dominikanermönch – Johannes von Ragusa – nach Konstantinopel zu entsenden, um den abgebrochenen Kontakt mit der Ostkirche möglichst wieder zu beleben. Johannes von Ragusa erwarb vor Ort griechische Handschriften, welche er in das ihn beherbergende Predigerkloster nach Basel brachte. Diesem Kloster hat er den Fundus denn auch mit einem ausgeklügelten Testament vermacht. 34 dieser ursprünglich 62 Bände befinden sich noch jetzt in Basel. Es handelt sich um Werke der griechischen Kirchenväter (z.B. Gregor von Nazianz, Predigten aus dem 13. Jahrhundert, kommentiert von Elia; Text und Kommentare sind mit verschiedener Tinte verfasst). Nach Abschluss des Konzils blieb die Bibliothek zunächst unberührt. Erst im Zusammenhang mit der Reformation und dem Aufkommen des Buchdrucks in Basel sollte sich die Situation ändern.
Amerbach und Reuchlin studierten in Paris bei Heynlin. Ihr Interesse an griechischen Handschriften wurde damit geweckt. Reuchlin lieh sich von der Predigerklosterbibliothek einige Handschriften ziemlich «lang» aus, nach seinem Tod kam dann Einiges zurück, Einiges allerdings auch nicht mehr! Amerbach entwickelte ein eigentliches humanistisches Verlagsprogramm. Er wollte eine Ausgabe des Kirchenvaters Hieronymus leisten. Diese Handschrift war allerdings dreisprachig, lateinisch, griechisch, hebräisch abgefasst. Dies überforderte Amerbach. Reuchlin war ihm nun mit Korrekturen behilflich (dies alles ist in unserer Sammlung dokumentiert). Ferner vermittelte er ihn an Johannes Cuno, einen Griechischkenner und Griechischlehrer. Unter anderem lernten bei ihm auch die drei Amerbachsöhne Griechisch. Der Griechischunterricht war unabdingbare Voraussetzung dafür, dass überhaupt das nötige Knowhow für das Drucken griechischer Schriften vorhanden war. Das Qualitätsbewusstsein von Amerbach und später Froben imponierte Erasmus von Rotterdam dermassen, dass er eigens wegen seiner Publikationspläne nach Basel kam. Die erste Herausgabe des griechischen Neuen Testaments (unter Zugrundelegung von einer Handschrift aus dem Predigerkloster) fand in Basel statt. Diese Ausgabe war dann auch die Vorlage für Luther (eine eigentlich bessere und ältere Ausgabe des griechischen Neuen Testaments, welche in Alcalá de Henares bereits vorlag, erhielt nicht die Publikationserlaubnis des Papstes, weil die verwendeten Handschriften dem Vatikan nicht rechtzeitig zurückgegeben worden waren!).
In jener Zeit entstand auch der Streit über die Aussprache des Griechischen für «Nichtgriechen». Die byzantinische Aussprache wurde als Hindernis zur Erlernung der griechischen Sprache empfunden. Erasmus von Rotterdam spricht der Differenzierung der verschiedenen I-Laute das Wort.
Eine wichtige Rolle für die Etablierung des Griechischen im Geistesleben Basels spielte schliesslich der Reformator Oekolampad, der erste Antistes (Münsterpfarrer), selber ein grosser Graecist: Er verfasst die Schrift «Iudicium de Schola», womit Griechisch in den Lehrplan aufgenommen wird.
Mit diesen und noch vielen weiteren interessanten Hinweisen, illustriert an den in der Universitätsbibliothek befindlichen Werken, hat uns Dr. Dill einen Einblick in ein besonderes Kapital Basler Geschichte gegeben.