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Eine wenig bekannte Epoche

Yannis Kakridis, Professor für Slavische Philologie: Der griechische Einfluss auf die altkirchenslavische Sprache, Vortrag. Das Thema des Vortrages klang nach etwas für Philhellenen/innen nur Marginalem: «Der griechische Einfluss auf die altkirchenslawische Sprache».

Und trotzdem erschienen ca. 80 Mitglieder zum Vortrag von Professor Yannis Kakridis, Ordinarius für Slavistik an der Universität Bern. Was sie geboten bekamen, war höchst spannend und aufs engste mit der griechischen Geschichte verbunden. Professor Kakridis legte zunächst dar, wie die Slaven das Machtvakuum an der Nordgrenze des byzantinischen Reiches, als Kaiser Justinian in Afrika und Italien das alte römsiche Reich wiederherzustellen versuchte, nutzten, um über die Donau ins oströmische Reich einzudringen. In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts wurden weite Landstriche von Slaven besiedelt, nur die Küstensiedlungen bleiben noch in oströmischer Hand. Zahlreiche Ortsnamen wie zum Beispiel «Kardiza» zeugen noch heute von dieser slavischen Invasion. Die Slaven brachten einen eigene, durch materielle Anspruchslosigkeit geprägte Kultur mit. Bekannt sind vor allem ihre Grubenhäuser und ihre Fiebeln, die im gesamten Balkanraum und auch in Griechenland archäologisch nachgewiesen sind.

Im zweiten Teil seines Vortrages ging Professor Kakridis auf das mährische Reich ein, das zwischen dem ostfränkischen und dem byzantinischen Reich eingeklemmt lag. Die Oberschicht wurde von Salzburg aus christianisiert. Um der drohenden Vereinnahmung durch die Ostfranken zu entkommen, suchte Fürst Rostislaw Unterstützung beim byzantinischen Kaiser Michael III. Das byzantinische Reich befand sich im 9. Jahrhundert nach dem Abklingen des Bildersturmes in einer Phase der kulturellen Renaissance. Dazu kam die Verstimmung zwischen der oströmischen Kirche unter ihrem Patriarchen Photius und dem Papst, in deren Zentrum vordergründig theologische Fragen, hauptsächlich aber Machtansprüche und Einflussnahme standen. Nur zu gern kam Michael III. Rostislaws Begehren nach und schickte 864 die beiden Brüder Konstantin und Methodios auf eine Missionierungsreise ins mährische Reich. Die Brüder stammten aus Thessaloniki, in welchem die slavische Sprache zu dieser Zeit sehr verbreitet war. Konstantin, der eine glänzende Karriere als Diplomat und Gelehrter hinter sich hatte, führte die Mission an.

Auch wenn sie letztlich nicht den erhofften Erfolg brachte, ist sie religions- und kulturgeschichtlich von herausragender Bedeutung. Denn Konstantin entschied sich, die Missionierung in der slavischen Sprache durchzuführen. Zu diesem Zweck entwickelte er auf der Basis des griechischen Alphabets eine neue Schrift, mit der er die theologischen Schriften in die slavische Sprache übersetzte. Diese Schrift ist heute unter dem Namen gladolitisches Alphabet bekannt. Es bildet die Vorstufe zum sogenannten kyrillischen Alphabet. Konstantin war im Besitz der Reliquien des Papstes Clemens I (Pontifikat von 88-97), welche er während einer früheren Mission auf der Krim entdeckt hatte. Diese Reliquien ebneten ihm den Weg zu Papst Hadrian II. Er wurde in Rom glänzend empfangen; der Papst stimmte der slavischen Liturgie zu. Am 14. Februar 869 starb Konstantin in Rom. Noch auf dem Sterbebett nahm er den Namen Kyrillos an. Bestattet wurde er dort, wo auch die von ihm nach Rom gebrachte Reliquie von Papst Clemens liegt: in der heutigen Basilika San Clemente. Methodios führte die Missionierung des slavischen Gebietes weiter. Zentrum wurde nun das bulgarische Reich. In diese Zeit fällt auch der Übergang vom gladolitischen zum kyrillischen Alphabet. Die Grundlage dazu bildete die griechische Majuskelschrift des 9. Jahrhunderts. Im letzten Teil seiner Vortrages zeigte Professor Kakridis, wie sich diese Entwicklungen in der altkirchenslavischen Sprache niedergeschlagen haben. Das Griechische ist in Form von Lehnwörtern (z.B.: chiton, sandalion etc.) und in Form von Lehnübersetzungen (z.B.: theotokos) präsent. Die zahlreichen Fragen im Anschluss an seinen Vortrag zeigten, wie sehr Professor Kakridis mit seinen sich ganz auf gesichertes Wissen beschränkenden Ausführungen das Interesse der Zuhörer/innen geweckt hatte. Die Gespräche wurden im anschliessenden traditionellen Apéro angeregt weitergeführt.

 

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