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Griechenland – Theaterland
Das Theater ist eine der zahlreichen bedeutenden Entwicklungen, die unsere westliche Kultur dem antiken Griechenland verdankt. Viele der hoch interessanten Bilder von dramatischen Aufführungen in Griechenland aus dem Beginn des 20.Jahrhunderts zeigten denn auch Aufführungen klassischer Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides.
Und doch: Das antike griechische Theater endet in der hellenistischen Zeit. Es wird im ökumenischen Konzil von Konstantinopel 691 (das sogenannte Trullo-Konzil) gar explizit verboten. Es gibt keine Kontinuität von der Antike zum heutigen Theaterschaffen in Griechenland. Athen ist heute eine der lebendigsten Theaterstädte der Welt. Das 20. Jahrhundert hat eine Vielzahl qualitativ hoch stehender Stücke an den Tag gebracht. Leider ist dieses Repertoire aufgrund der Sprachbarriere ausserhalb von Griechenland kaum rezipiert worden. Übersetzungen sind selten, da Stücke nur für Inszenierungen übersetzt werden.
Wo liegen die Wurzeln dieser Theaterblüte? Professor Puchner gelang es in seinem lebendigen, frei vorgetragenen Vortrag, den Zuhörerinnen und Zuhörern die einzelnen Etappen der neuzeitlichen griechischen Theatergeschichte darzulegen:
Byzanz hatte seit dem Bilderstreit kein Sensorium für Theater. Die spezielle Auffassung der Ikonen als Fenster zum Göttlichen und Heiligen liess es nicht zu, dass sich Theater entwickeln konnte.
Es sind letztlich zwei Wurzeln, die das Theater wieder aufblühen liessen:
- Italien: Kreta blieb von 1211 bis 1669 unter venezianischer Herrschaft. Im 16. und 17. Jahrhundert fand dort eine Kultursymbiose statt, welche auch das Theater erfasste. Aus dem 16. Jahrhundert sind 8 Theaterstücke erhalten, welche von der italienischen Theatertradition beeinflusst sind und zum Teil keinen antiken Vorlagen folgen. Auch auf den anderen Inseln, welche unter italienischem Einfluss standen, begann das Theaterleben wieder zu erwachen. So vor allem auf den ionischen Inseln, wo die kretische Tradition fortgesetzt wurde. Auf Korfu wurde 1733 zum ersten Mal eine italienische Oper aufgeführt.
- Die Jesuiten: Das Theaterspielen war ein wesentlicher Bestandteil der Pädagogik der Jesuiten. So wurden in den jesuitischen Klosterschulen in Konstantinopel und an der kleinasiatischen Küste sowie auf den vorgelagerten Inseln Theaterstücke mit religiösen Themen (z.B. Demetrios-Tragödie) aufgeführt.
Ab dem 18. Jahrhundert wurde in Griechenland und im phanariotischen Rumänien begonnen, Stücke der europäischen Theatertradition (Molière, später Voltaire u.a.) zu übersetzen. Damit öffnete sich das griechische Theaterschaffen den europäischen Strömungen wie dem Naturalismus, dem Symbolismus und dem Expressionismus. Im Jahr 1901 wurden in Athen die beiden Theater Nea Skene und Basilikon Theatron eröffnet. Die Nachkriegszeit brachte dann grosse Dramatiker wie Kamanelis und Markaris hervor, welche zusammen mit anderen ein Repertoire von ca. 150 hoch stehenden Stücken produziert haben.
Dies ist nur eine kurze Zusammenfassung der unerhört kenntnisreichen und spannenden Ausführungen von Herrn Professor Puchner. Es war trotz der fehlenden Tonanlage ein Genuss, ihm zuzuhören. Können wir bald einmal ein Buch von ihm über dieses interessante Kapitel der neuzeitlichen Kulturgeschichte lesen?
Eucharisto poly, kurie Puchner!