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La grande dame der Kunstgeschichte über das Genie El Greco
Mit Frau Marina Lambraki besuchte eine grosse Persönlichkeit der Kunstgeschichte die Mitglieder des Kulturvereins der Freunde Griechenlands. Frau Lambraki breitete mit hohem Sachverstand ihr schier unerschöpfliches Wissen über Griechenlands berühmtesten Maler aus: über Domenikos Theotokopoulos – El Greco.
1541 in Candia (Heraklion) geboren, entstammte El Greco einer wohlhabenden orthodoxen Familie. Im wirtschaftlich und kulturell blühenden Candia erwarb er sich eine breite Bildung. Er beherrschte Griechisch, Lateinisch und Italienisch und kannte die wichtigsten Werke der wiederentdeckten Antike. El Greco ist somit einer der wenigen griechischen Repräsentanten der Renaissance. Gleichzeitig machten ihn seine breiten Kenntnisse der Geistesgeschichte zu einem philosophischen Künstler und intellektuellen Maler. El Greco hatte schon als junger Künstler grossen Erfolg. So verkaufte er 1566 eine Ikone der Passio Christi zu einem Preis, der in Italien für einen Tintoretto oder Tizian bezahlt wurde. In seinen Frühwerken ist der Einfluss der Renaissance spürbar, sei es in der Gestaltung der Perspektive, sei es im wirkungsvollen Einsatz des Chiaroscuro und natürlich in der selbstbewussten Signierung seiner Werke. Von 1567 bis 1570 bildete sich El Greco in Venedig weiter. Einige Quellen legen nahe, dass er in Tizians Studio arbeitete.
Auf Empfehlung seines Förderers Giulio Clovio siedelte El Greco nach Rom über, wo er von Alessandro Farnese aufgenommen wurde. Die grossen Kunstwerke der Antike und der Renaissance, welche er in Rom studieren konnte, prägten sein Schaffen massgeblich. So scheinen die aussergewöhnlichen Körperhaltungen einiger seiner Figuren von Michelangelo inspiriert zu sein. Eben diese Koryphäe war aber wohl dafür verantwortlich, dass El Greco Rom sehr früh wieder verliess. Eine kritische Bemerkung zu dessen Jüngstem Gericht brachte die Kunstelite gegen ihn auf. Wiederum auf Vermittlung von Clovio fand El Greco in Philipp II, König von Spanien, einen neuen Auftragsgeber. Er malte die Heilige Dreifaltigkeit, heute im Museo Prado, Madrid, die Entkleidung Christi (Espolio), heute in der Sakristei der Kathedrale von Toledo, und das Martyrium des Hl. Laurenz. Mit letzterem Werk konnte er Philipps Gunst nicht für sich gewinnen. In Toledo fand er schliesslich sein Schicksal, und seine Kunst wurde zu Toledos Ruhm. In dieser damals zu den grössten europäischen Zentren zählenden Stadt fand er einen grossen Freundeskreis aus Geistlichen, Gelehrten und Aristokraten. Sie hielten ihm Aufträge zu und ermöglichten ihm, seine Bestimmung als ein Künstler, der in vielem seiner Zeit voraus war, zu erfüllen.
An ausgewählten Bildern zeigte Frau Lambraki, was El Grecos Kunst auszeichnet: der Primat der Farbe, die Imagination und die Subjektivität, mit der er die bekannten religiösen Themen anging. An der in Syros gefundenen Ikone mit der Koimesis, welche das Modell für das Begräbnis des Conte Orgaz bildet, demonstrierte Frau Lambraki überzeugend die Verwurzelung des Künstlers in der Ikonentradition. Auf der anderen Seite wurde an Vergleichen mit Werken der klassischen Moderne von Cézanne bis Picasso die ungeheure Modernität El Grecos augenfällig. Die zahlreich anwesenden Mitglieder erhielten von Frau Lambraki eine spannende Einführung in die Kunstgeschichte, auch dank der vorzüglichen Übersetzung von Frau Leimbach.
Wie immer bildete der Apéro, dieses Mal in den wunderschönen Räumen des Wildt’schen Hauses, willkommene Gelegenheit zu angeregten Gesprächen über das Gehörte.
Eucaristoume, kuria Lamprakh